Polycystische Ovarien (PCO)

Das PCO- Syndrom (Polycystisches Ovar Syndrom, PCOS) gehört zu den häufigsten endokrinen Erkrankung (Hormonerkrankungen) bei Frauen. Die Ursache des PCOS ist unbekannt. Die Erkrankung kennzeichnet sich durch verschiedene Kombinationen von Krankheitszeichen. Diese werden heute durch die Klassifikation nach dem sogenannten Rotterdam Kriterien vorgenommen: liegen zwei oder drei der folgenden Symptome vor, spricht man von einem PCOS:

  • seltene oder ausbleibende Regelblutung
  • klinische oder biochemische Zeichen einer Hyperandrogenämie (Überschuss an männlichen Hormonen, 60-80% der Fälle)
  • Sonographisches Bild der polyzystischen Ovarien als mindestens zwölf Follikel mit maximal 10 mm Durchmesser in einem Eierstock

Unabhängig von diesen Kriterien besteht bei vielen Patienten eine Insulinresistenz (25-50%), eine Schilddrüsenentzündung (Hashimoto Thyreoditis) sowie eine Adipositas (Übergewicht). Im Blut finden sich häufig allgemeine Entzündungswerte (erhöhtes CRP bei 90% der Fälle) erhöht.

Schätzungen gehen davon aus, dass im mitteleuropäischen Raum ca. 6-8 % der Frauen polyzystische Ovarien haben. Vermehrt tritt die Erkrankung bei Diabetikern mit Typ 1 und Typ 2 sowie bei Frauen mit Gestationsdiabetes (Schwangerschaftsdiabetes) auf.

Trotz anfänglicher normaler Regelblutung führt die ovarielle Dysfunktion zum Ausbleiben der Regelblutung und zur Unfruchtbarkeit (ca. 70% d.F.), was zunächst häufig wegen der Einnahme von Verhütungsmitteln nicht auffällt. Erst nach Absetzen der Präparate wird die Störung dann auffällig.

Klinik

Körperliche Zeichen sind häufig eine Akne typischerweise im Kinnbereich, vermehrte männliche Behaarung sowie ein Haarausfall im Scheitelbereich.

Diagnostik:

Zur Basisdiagnostik gehört die Bestimmung der weiblichen und männlichen Hormone, des Prolaktins, der Schilddrüsenwerte sowie ein oraler Glukosebelastungstest, um eine Insulinresistenz bzw. eine diabetische Erkrankung auszuschließen.

Therapie:

Eine ursächliche Behandlung steht bisher nicht zu Verfügung.

Sofern kein Kinderwunsch besteht, ist das Hauptziel die Verringerung der körperlichen Folgen. Geht mit der Erkrankung ein Übergewicht einher, können Maßnahmen der Gewichtsreduktion (Ernährungsberatung, Diät, Sport) oder der Einsatz von Medikamenten wie Metformin helfen. Besteht kein Kinderwunsch ist die Einnahme der „Pille“ häufig die effektivste, also kostengünstigste und am wenigsten aufwendige Therapie, denn sie führt zu einem regelhaften Aufbau der Gebärmutterschleimhaut und zu einer dem normalem Zyklus nachgeahmter Abbruchblutung bei der Regelblutung. Damit wird jedoch nicht ein natürlicher Eisprung gefördert.

Westliche Therapie bei Kinderwunsch und PCO:

Bei Frauen mit PCOS und Kinderwunsch ist das Hauptziel einen regelrechten Zyklus mit einen Eispung zu fördern. Auch hier kann die Gewichtsabnahme bei übergewichtigen Patientinnen, der Einsatz von Metformin bei nachgewiesener Insulinresistenz und die Unterstützung des Eisprung durch Clomifen/Gonadotropine hilfreich sein.

Durch Clomifen lässt sich beim PCO die Schwangerschaftsrate um das Sechsfache pro Zyklus steigern. Beachtet werden müssen antiöstrogene Wirkungen des Clomifens, das die Viskosität des Zervixschleims erhöhen kann und zu einem unzureichenden Aufbau der Gebärmutterschleimhaut führen kann.

Auch mit der Behandlung von Gonadotropinen wie dem follikelstimulierenden Hormon (FSH) kann ein Eisprung beim PCO-Syndrom gefördert werden. Dabei kommen unterschiedliche Protokolle zur Anwendung. Bei dem sogenannten „Low Dose Step up“-Protokoll liegen die Schwangerschaftsraten pro Behandlungszyklus bei 10-15 %.

Viele Frauen haben nach dem direkten Absetzen der „Pille“ eine vorübergehende Erhöhung des follikelstimulierenden Hormons (FSH). Diese kann benutzt werden, um eine Schwangerschaft zu fördern. In ähnlicher Weise kann man mit einer zweiwöchigen Gestagengabe in der zweiten Zyklushälfte die Wahrscheinlichkeit eines Eisprungs im nächsten Zyklus erhöhen.

Versagen die medikamentösen Stimulationen und liegt ein exzessiver LH-Spiegel vor, kann in Ausnahmefällen ein ovarielles Drilling als operatives Verfahren sinnvoll sein. Hierbei können vergleichbare Schwangerschaftsraten innerhalb eines halben Jahres wie bei Stimulation mit Gonadotropinen erreicht werden.

Bei bestehendem Kinderwunsch stehen die Methoden der ART (assistierten Reproduktionstechnologie) zur Verbesserung der Schwangerschaftsraten zu Verfügung. Bei Patientinnen mit PCO kann es trotz aller Stimulationsmedikamente bei einer In-vitro- Feritilisation (IVF)/ Interzytoplasmatischer Spermieninjektion (ICSI) zu Eizellreifungsstörungen kommen oder auch im Gegenteil sich das Risiko für ein Hyperstimulations-Syndrom (OHSS) erhöhen. Die OHSS ist eine Komplikation bei der IVF  mit übermässiger Reaktion der Eierstöcke auf die Stimulationsmedikamente mit Schmerzen und Flüssigkeitsansammlung im Unterbauch.

Traditionelle chinesische Medizin (TCM )Therapie bei PCOS :

Beim Versagen der westlichen Behandlungsmöglichkeiten bietet die chinesische Medizin eine zusätzliche Chance der Behandlung. Mit Hilfe der chinesischen Arzneimitteltherapie und Akupunktur ist es möglich, einen normalen Zyklus mit Eisprung wiederherzustellen. Auch bei der Behandlung der Begleitsymptome wie Akne und Diabetes mellitus kann eine Behandlung mit TCM erfolgreich sein.

Auch beim Einsatz von reproduktiven Maßnahmen wie (IVF, ICSI) ist ein integrativer Einsatz von TCM erfolgreich und kann Nebenwirkungen reduzieren.

TCM Diagnose:

Da es sich bei dem PCO-Syndrom um ein westlich definiertes Krankheitsbild handelt, übersetzt der TCM Therapeut das Krankheitsbild in das Verständnis der TCM.

Mit Hilfe eines ausführlichen Erstanalyse-Gesprächs, der Zungen- und Pulsdiagnostik entwickelt der TCM Therapeut eine Diagnose im chinesischen Sinne. Das theoretische Grundgerüst umfasst die Einstufung des Krankheitsbildes nach den Kriterien wie Yang und Yin, den Zeichen von inneren- oder äußeren Erkrankungen, den Zeichen von Fülle oder Leere und den Problematiken von Hitze (chron. Entzündung)- und Kälte-Aspekten im Körper.

Wichtig ist außerdem die Zuordnung der Symptome nach der Systematik der Wandlungsphasen (Zang Fu, Funktionskreise) und der Betrachtung der beteiligten Körpersubstanzen (Qi, Blut, Jing, etc).

So kann eine ausbleibende oder eine seltene Regelblutung verschiedenste Ursachen aus Sicht der chinesischen Medizin haben oder aber durch mehrere Faktoren gleichzeitig bewirkt werden (wie z.B. einem Mangel an Körpersubstanzen wie Qi, Blut oder Jing).

Es kann aus Sicht der Funktionskreise z.B. ein Nieren-Yang-Mangel, Milz-Qi-Mangel oder Milz-Yang-Mangel vorliegen, sodass sich Feuchtigkeit im kleinen Becken bilden kann. Auch der sogenannte Leber-Funktionskreis beeinflusst das Menstruationsblut und den Zyklus stark. Häufig liegt eine Leber-Qi Stagnation mit Blutstagnation als Störungsmuster zugrunde. Häufig finden sich bei polyzystischen Ovarien auch eine Schwäche von Nieren-Yang und Milz-Yang. Dabei kommt es zu Transformationsstörungen der Flüssigkeiten im kleinen Becken und es bildet sich Feuchtigkeit und/ oder Schleim, der sich in den Ovarien ablagert.

TCM Therapie:

Therapiestrategie ist je nach vorliegendem Krankheitsbild entweder die Durchblutung bessern, Blut und Yin nähren, den Nieren-Funktionskreis stützen, den Leber-Funktionskreis harmonisieren und/ oder Akupunkturleitbahnen wieder durchgängig machen.

Hierzu werden die chinesische Arzneimitteltherapie mit der Auskochung von Kräuterarzneimitteln, die Akupunktur mit Moxibution (Erwärmungsverfahren der Akupunkturnadel mit Beifußkraut) und eine Ernährungsberatung kombiniert angewandt.

Eine große Bedeutung spielen bei der Akupunkturbehandlung die Öffnung und Behandlung der unpaarigen Leitbahnen (Chong Mai, Ren Mai, Du Mai, und Dai Mai).

© Copyright - Dr. med. Peter Melloh